Über dem Salzhaff zieht ein Seeadler seine Kreise. In den Salzwiesen rasten Watvögel auf dem Weg in den Norden. Im Oktober ziehen die Kraniche, manchmal nachts hörbar, hoch oben über das Haff. Die mecklenburgische Ostseeküste bei Rerik gehört zu den wichtigsten Vogelgebieten Norddeutschlands – mit Arten, die anderswo längst verschwunden sind. Dieser Beitrag fasst zusammen, was Sie wann sehen können und wie Sie es richtig anstellen.

Naturschutzgebiet Salzhaff: 2.022 Hektar Vogelparadies

Das Salzhaff ist ein flaches Boddengewässer zwischen Festland und Halbinsel Wustrow. Es bietet die ideale Mischung aus geschütztem Flachwasser, Salzwiesen, Schilfröhrichten und Brackwasserzonen. Diese Vielfalt erklärt, warum hier über 100 Vogelarten regelmäßig beobachtet werden – brütend, durchziehend oder überwinternd. Das Gebiet ist Teil des EU-Vogelschutzgebiets und steht unter strengem Naturschutz.

Welche Vögel können Sie sehen?

Greifvögel und Großvögel

  • Seeadler – brütet in der Region, wird regelmäßig über dem Salzhaff gesichtet. Spannweite bis 2,40 m, unverwechselbar.
  • Rohrweihe – jagt im Sommer über den Schilfgürteln
  • Mäusebussard, Turmfalke, Sperber – ganzjährig
  • Kranich – im Herbst spektakulär in großen Trupps; Rast vor dem Weiterzug
  • Graureiher und Silberreiher – regelmäßig im Flachwasser

Wat- und Wasservögel

  • Säbelschnäbler – einer der elegantesten Watvögel Europas, brütet auf der Halbinsel Wustrow
  • Kiebitz, Rotschenkel, Brachvogel – auf den Salzwiesen rastend oder brütend
  • Eiderente, Tafelente, Reiherente – Wasservögel im Haff
  • Mittelsäger und Gänsesäger – charakteristische Tauchenten der Ostsee
  • Schwäne und Wildgänse – im Winter in großen Trupps

Singvögel und Schilfbewohner

  • Rohrsänger und Rohrammer – charakteristisch für die Schilfgürtel
  • Bartmeise – in einigen Schilfbeständen mit Glück zu sehen
  • Steinschmätzer und Schwarzkehlchen – auf den offenen Salzwiesen
Stille am Salzhaff – beste Bedingungen für Vogelbeobachtung

Saisonkalender für Vogelbeobachtung

SaisonHighlightsBesonderheit
März – AprilHeimzug Watvögel, erste Brutvögel, Kranich-RückkehrHohe Aktivität, frühmorgens am besten
Mai – JuniBrutzeit, Säbelschnäbler auf Wustrow, Rohrsänger im SchilfMeiste Arten gleichzeitig sichtbar
Juli – AugustJunge Vögel, frühe WegzieherEtwas ruhiger, dafür Familienzeit der Vögel
September – OktoberKranichzug, Wegzug Watvögel, Greifvogel-MigrationSpektakulärster Monat, Trupps in Tausenden
November – FebruarWintergäste: Säger, Schwäne, Eiderenten, SeeadlerKlare Sicht, weniger Vogelarten, dafür größere Konzentrationen

Beste Beobachtungspunkte rund um Blengow

  • Haffufer bei Blengow (1 km von der Ferienresidenz): direkt am Schilfgürtel, Reiher, Enten, Greifvögel
  • Salzwiesen östlich Rerik: Brut- und Rastplatz der Watvögel
  • Halbinsel Wustrow: nur mit geführter Tour zugänglich, dort aber Top-Gebiet für Säbelschnäbler und Brachvogel
  • Steilküste zwischen Rerik und Kühlungsborn: Greifvögel im Aufwind, Seeadler-Sichtungen
  • Aussichtsplattform am Hafen Rerik: Hafen-Vögel, Möwen, Säger im Winter

Ausstattung – was Sie wirklich brauchen

  • Fernglas: 8×42 oder 10×42 ist Standard. Höhere Vergrößerungen wackeln bei Wind
  • Spektiv (optional): für ferne Vögel auf dem Wasser ideal, aber kein Muss
  • Bestimmungsbuch oder App: NABU Vogelführer, Merlin Bird ID, ornitho.de
  • Winddichte Kleidung: Am Salzhaff ist es immer windig, auch im Sommer am frühen Morgen
  • Gummistiefel oder feste Schuhe: Salzwiesen sind nass

Verhaltensregeln im Naturschutzgebiet

  • Auf den Wegen bleiben – außerhalb der Wege ist das Betreten verboten
  • Hunde an die Leine – brütende Vögel reagieren panisch und verlassen Gelege
  • Abstand halten – mindestens 50 m zu rastenden Trupps. Bei Aufflug ist der Abstand zu klein
  • Ruhig sein – keine lauten Stimmen, keine bewegungsstarken Gesten
  • Drohnen sind verboten – im gesamten NSG

Tipps für Anfänger

  • Frühaufstehen lohnt – die meisten Vögel sind in der ersten Stunde nach Sonnenaufgang aktiv
  • Sitzen statt laufen – nach 20 Minuten Stille kommen die Vögel zurück
  • App Merlin Bird ID erkennt Vogelstimmen automatisch – sehr hilfreich für Einsteiger
  • Lokale Führung beim NABU oder über die Reriker Tourist-Information – wer alleine startet, übersieht 80 Prozent
  • Notizbuch: Was, wann, wo gesehen? Nach einer Woche überrascht man sich selbst

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